Umweltspur in der Christophstraße – Ein erster richtiger Schritt

Aktuell sorgt die Umweltspur in der Trierer Christophstraße nahe des Hauptbahnhofs für Gesprächsstoff. Aus diesem Grund hat Hans-Jürgen Bucher, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der LA21 und Mitglied des AK Mobilität der Lokalen Agenda 21 Trier, ein Statement verfasst, das sich dem Thema annimmt.

Die Kritik der Mittelstands- und Wirtschaftsunion Trier (MIT) an der Umweltspur in der Christofsstraße ist unsachlich und erinnert mit ihrer Wissenschaftsskepsis an die Vorgehensweise der Klimaleugner: Wenn einem wissenschaftliche Befunde nicht passen, werden sie einfach aus der hohlen Hand heraus für unwissenschaftlich erklärt und mit unbewiesenen Gegenbehauptungen bestritten.

Fakt ist: Über 60 Prozent des Autorverkehrs in Trier entsteht durch Fahrten bis 5 Kilometern. Die durchschnittlich mit dem Auto zurückgelegte Strecke beträgt in Trier 4,6 Kilometer (Studie der TU Dresden). Das ist eine Entfernung, die sich sehr gut mit dem Fahrrad bewältigen ließe. Tatsache ist auch, der Verkehr verursacht in Trier rund ein Drittel der gesamten CO2-Emissionen. Laut Bundesgesetz muss diese bis 2030 etwa um die Hälfte reduziert werden. Das wird nur funktionieren, wenn künftig mehr Menschen bereit sind, in der Stadt nicht mit dem Auto, sondern mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs zu sein. Gerade einmal 14 Prozent des gesamten Verkehrs werden in Trier mit dem Rad zurückgelegt. In vergleichbaren Städten ist der Anteil doppelt so hoch. Ein wesentlicher Grund dafür ist das unterentwickelte Radwegenetz: Im Fahrradklima-Test des ADFC liegt Trier bei den Städten 100.000 bis 200.000 Einwohner auf Platz 29 von 41, mit einer Gesamtnote von 4,1, also nicht einmal ausreichend. Die Umweltspur in der Christophstraße ist ein begrüßenswerter Schritt, das Radwegenetz in Trier etwas dichter zu machen und eine Verbindung von der Porta bis zum Bahnhof zu schaffen. Im Vergleich mit anderen Städten müsste noch mehr solche Schritte folgen. So fordert der Verkehrsgerichtstag 2022: „Eine Verbesserung der Sicherheit des Radverkehrs bedingt zwingend eine neue Aufteilung des Verkehrsraumes, unter anderem zugunsten des Fahrrades, und die Schaffung durchgängig sicher befahrbarer Radnetze.

Die MIT wäre gut beraten, die Welt nicht nur mit dem Autolobby-Blick durch die Windschutzscheibe zu betrachten, bei dem Radfahrer:innen und Fußgänger:innen nur als Verkehrshindernisse gesehen werden. Andere Städte haben längstens gezeigt, dass eine Reduktion des Autorverkehrs dem Einzelhandel nicht schadet, sondern, im Gegenteil, Vorteile bringt. Und: In Deutschland werden derzeit deutlich mehr Fahrräder als Autos verkauft.